Beim Zubereiten von Fisch in der Pfanne ist es wichtig, den genauen Punkt zu finden. Zu kurz gebraten, bleibt er teils roh, nur ein wenig zu lang, verliert er Konsistenz, was dann das Filetieren schwierig macht. Niemand mag die Gräten im Mund und die damit verbundenen Manöver mit Gabel und Finger. Ein befreundetes Ehepaar war wieder einmal bei uns zum Essen eingeladen und kam rund eine Stunde später. Die beiden sind in dieser Hinsicht völlig entspannt. Uhrzeit hin, Uhrzeit her, den Fisch zu essen, wurde schwer. Und die Laune meiner lieben Frau, war unter aller …
Beim nächsten Mal haben wir sie einfach eine Stunde vor dem eigentlichen Beginn des Abendessens eingeladen. Peinlich war nun, dass sie diesmal genau pünktlich kamen und fragten, wo die anderen Gäste sind. Wir haben ihnen die Situation mit dem Fisch erklärt. Es wurde trotzdem ein netter und entspannter Abend – seitdem kommen sie übrigens immer sehr pünktlich. Bist du zum Essen eingeladen: Denk an die Person, die in der Küche steht, und komme lieber nicht zu spät.
Vermutlich kannte sich Jesus als gelernter Bauhandwerker und somit praktisch veranlagter Mensch damit aus, wie man Fisch gut zubereitet. Bauleute benötigen bis heute immer eine pünktliche Brotzeit. Interessant ist, dass er für sein Projekt vom Reich Gottes Fischer auswählte. Sie hatten die Fähigkeit, zur entscheidenden Tages- oder Nachtzeit trotz der Unsicherheit des Wassers Netze und Fang zu koordinieren und schnell, gleichsam auf den Punkt, die verderbliche Ware zu konservieren und zu vermarkten. In der Nachfolge Jesu sein bedeutet so, sich im alltäglichen praktischen Leben gut auszukennen und in den verschiedenen Situationen klug den passenden christlichen Punkt zu finden. In Wort und Tat! Genau dort, wo ich jetzt bin. „Auch zwischen den Kochtöpfen wandelt der Herr“, Hl. Teresa von Avila.
Thomas Seibert, Diplomtheologe
Bild: pixabay


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