Von dem berühmten Komponisten und Organisten Max Reger (1873 – 1916) ist der humorvolle Spruch überliefert: „Das Schwein und der Künstler werden erst nach ihrem Tode geschätzt.“
Ein lieber Freund hat mir bei einem netten Abendessen dieses Zitat mitgeteilt. Wir haben herzhaft gelacht. Aber, wie so oft im Leben, verbirgt sich dahinter eine andere Wirklichkeit und manche Verletzung. Der in der Oberpfalz geborene Künstler war sehr begabt. Leider machte ihm die Wehrpflicht ab dem 17. Lebensjahr zu schaffen. Beachtenswert ist, dass er für sein einjähriges Militärjahr die Kosten für Uniform, Unterbringung und „köstliche“ Verpflegung sogar selbst bezahlen musste. Unglücklich war zudem, dass er zum Gehorchen und Unterordnen völlig ungeeignet war. Er wurde krank und machte beträchtliche Schulden. Wut und Alkohol kamen hinzu, was berufliche Rückschläge nach sich zog. Die liebe Schwester holte ihn ins Elternhaus zurück. Er entfaltete seine musikalischen Fähigkeiten und rettete sich aus dem Tief. Seine Ehefrau Elsa war ebenfalls eine liebevolle – jedoch protestantisch, was zu seiner Exkommunikation aus der katholischen Kirche führte. Der Nachwelt hat er viele musikalische Kostbarkeiten hinterlassen. Eine Sammlung seiner Werke umfasst 38 Bände. Vieles davon ein Glaubenszeugnis. Er wurde nur 43 Jahre. Sein Leben war ein ständiges Ringen um Anerkennung und Erfolg. Der Preis war hoch, vielleicht zu hoch.
Kein Leben ohne Widerstände. Seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen, kann mühsam sein. Manchmal frage ich mich auch, wo ich vielleicht zu viel bezahlt habe. Dennoch bleibe ich voll Zuversicht. Es ist Gott selbst, der mein Leben hält. Und die lieben Menschen um mich. Dafür bin ich dankbar.
Thomas Seibert, Diplomtheologe
Bild: pixabay


Schreibe einen Kommentar