Neulich an einem trüben Tag entdeckte ich in einer Bibliothek das lesenswerte Buch von Markus Hofer über das Leben des Hl. Franz von Assisi. Ein Blick auf die ersten Seiten und die Fotos erweckte in mir sofort ein Gefühl von mediterraner Stimmung: warme Luft, helles Licht und wohlige Gerüche. Ich dachte zurück an eine sehr schöne Zeit zusammen mit lieben Menschen in Assisi – ein Ort der Sehnsucht, von dem eine besondere Kraft ausgeht.
Der Aufenthalt an solch einem Ort bedeutet für viele, sich mit diesem auf gleichsam geistige Weise zu verbinden – das geschieht nicht selten digital, also mit einem „Beweisfoto“ für die eigene Datenbank und für andere: „Seht, ich war hier.“ Je mehr Menschen von dieser Idee Gebrauch machen und in der Masse auftreten, desto mehr verlieren diese Orte ihre Aura, vielleicht sogar ihre Kraft. Vielleicht ist der Ort selbst nicht das Entscheidende, sondern das geistliche Anliegen des Hl. Franziskus, das hier vor mehr als 800 Jahren seinen Ausgang genommen hat. Franziskus, der eine große Bewegung ins Leben rief, wusste, dass es Rückzugsorte benötigt, um Kraft zu tanken. Wer immer nur gibt, wird irgendwann leer. Beachtenswert ist die Einsiedelei in Greccio. Dort gab es einen Felsspalt, der als Natur-Kühlschrank diente, die Cantina. Es galt die Regel, dass die Cantina abends leer sein musste – was ich mir bei uns zuhause lieber nicht vorstellen will! Es sollten keine Vorräte gesammelt werden – um ganz aus dem Vertrauen auf Gottes Güte zu leben, wie die Vögel des Himmels, die Gott ernährt (Matthäus 6,26). Es braucht die Ruhe, die Ruhe des Geistes, um vertrauensvoll in Verbindung mit Gott erfüllt zu leben. Die dauernde Angst, zu kurz zu kommen oder nicht alles gesehen zu haben, treibt uns zu einer Hektik, die krank machen kann. Orte der Sehnsucht – sie finden sich irgendwo auf dem Globus oder in unserem Herzen.
Thomas Seibert
Bild: Pixabay


Grüß Gott Herr Seibert, Ihre Gedanken über den Hl. Franz von Assisi regen mich an, meine Reise nach Assisi vor mehreren Jahren erneut aufleben zu lassen.
Der Heilige wirkte in einer Bilderbuch-Landschaft mit grünem Hügelketten und fruchtbarem Ackerland mit Olivenbäumen. Also ein guter Ausgangspunkt für sein Wirken…. Doch dann war er inmitten des Krieges mit anschließender Gefangenschaft, u.a. 1 Jahr Kerker in Perucia. Danach fragte er Gott: “Was willst du Herr, das ich tun soll?” Ausgelaugt und krank nach dieser schlimmen Zeit lebte er zurückgezogen und zog dann in die Welt, um Gutes zu tun. Er war voll mit Gott verbunden und auch mit jeglicher Kreatur. Er sah sich als Gefäß an. Trotz dem Wirken des Bösen auf der Welt, ist die Natur mit all ihren wunderbaren Geschenken ein Gefäß für den Geist Gottes. Genau diese machen auch mich selbst auch glücklich, wenn ich mich in einer schlechten Verfassung befinde. Franz von Assisi lebte einfach. Felsspalten waren Lager für das Essen für eine beschränkte Zeit und nicht nur dies. Eine Felsspalte diente ihm als Nachtlager.
Allgegenwärtig in der dortigen Gegend ist das franziskanische Zeichen “Tau”.
Ich bin nun in einer ganz anderen Weise vom Hl. Franz von Assisi geprägt, seit ich mehrere seiner Wirkungsorte kennenlernen durfte.
Liebe Frau Schmid,
herzlichen Dank für Ihre persönlichen Gedanken und Erlebnisse! Es freut mich sehr, wenn Sie aus dem kleinen Impuls etwas mitnehmen können. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute, Frieden im Herzen, Gesundheit und Gottes reichen Segen!
Thomas Seibert