kommt Gott in Dein Leben!
Als Angehöriger der sogenannten Babyboomer durfte ich eine Erziehung genießen, die viel mit Leistung zu tun hat. Noch heute erinnere ich mich an den durchsichtigen Schutzumschlag für mein hellblaues Grundschul-Zeugnisheft, das mir in der ersten Klasse überreicht wurde: „Spare, lerne, leiste was, dann hast du, kannst du, bist du was.“ Darunter das Logo der örtlichen Sparkasse. Meine Eltern haben mir diesen Satz immer wieder nahegelegt. Eine Note Drei galt schon als Beleg für Faulheit und mangelnden Ehrgeiz, eine Vier als Katastrophe mit entsprechenden Sanktionen und Lernübungen. Es mussten also Einser und Zweier sein. Wurde geliefert. Die einzige Fünf habe ich in der dritten Klasse in Religion kassiert. Der Pfarrer war beim Vorbereiten der Erstkommunion sehr ehrgeizig. Er hatte viel zu hohe Erwartungen.
Das Versprechen unserer Kultur war klar: Leistung führt zu Erfolg. Probleme werden gelöst. Es geht voran.
In meinem eigenen Leben habe ich erfahren, dass dies so nicht immer stimmt. Verluste verarbeiten, kostet Kraft. Derzeit scheint unsere Gesellschaft kaum darauf vorbereitet, vielfältige Verluste als neue Wirklichkeit wahrzunehmen. Ideen von Heimat, Sicherheit und Zukunft lösen sich auf. Die Aufgabe ist, mit Verlusten leben zu lernen.
Ich persönlich habe mich von der Illusion der Kontrollierbarkeit meines Lebens verabschiedet. Genau an diesem Punkt kollidiert meine eigene Logik mit einer anderen größeren Realität. Das Schicksal, das überrascht, kann zugleich ein Moment der Offenheit für das Göttliche sein. Wie ein Fenster, das sich öffnet. Martin Luther sprach vom verborgenen Gott. Ignatius von Loyola: „Gott suchen und finden in allen Dingen.“
Thomas Seibert, Diplomtheologe
Bild: pixabay


Schreibe einen Kommentar