Die Küche ist ein sehr wichtiger Ort. Ist sie immer aufgeräumt und kaum benutzt, gehen ihre Besitzer meist auswärts essen oder verspeisen primär Fertigprodukte. Übrigens sind die Suppendosen von Erasco, Sonnen Bassermann und Maggi ein echter Tipp! Es gibt auch kreative Küchen, in denen überall etwas steht, das anregen könnte, oder nicht – nach längerer Zeit. Auch das Spülbecken ist interessant: Sammelstelle voller Geschirr oder frei.
Seit einiger Zeit beobachte ich bei mir selbst, dass sich meine Art Ordnung zu halten, etwas verändert hat. Bei den Jesuiten habe ich gelernt, dass der Schreibtisch keine Ablage ist, sondern eine freie Arbeitsfläche, die nicht ablenkt. Mittlerweile hat sich meine veränderte Ordnung zuhause auf den Wohnzimmerboden erweitert – zum Missfallen meiner lieben Frau. Das hat auch damit zu tun, dass die Korrespondenz mit Krankenkasse, Bezirk und Betreuungsgericht mehr wurde. Je nach Blickwinkel scheint das neue Design kreativ, weil ich mich mal von diesem, mal von jenem anregen lasse, oder einfach nur unübersichtlich.
Ich spüre, dass diese Veränderung etwas mit meiner Seele zu tun hat. Weil mich manches belastet, suche ich Zerstreuung – Ablenkung. Sport wäre gut. Im Englischen meinte disport: sich zerstreuen, im Lateinischen deportare: wegbringen – bezogen auf die Sorgen eine Erleichterung!
Ich sehne mich nach mehr Ruhe im Herzen. Ich möchte mehr bei mir selbst wohnen und weniger zerstreut. Der heilige Benedikt nannte es habitare secum. Prüfe Dein Herz im Gebet und Schweigen! Plinius der Jüngere schrieb: multum, non multa – viel (mit Tiefgang), nicht vielerlei. Und zuletzt Karl Valentin: „Heute mach’ ich mir eine Freude und besuche mich selbst. Hoffentlich bin ich daheim.“ Ist die Küche aufgeräumt?
Thomas Seibert, Diplomtheologe
Bild: pixabay


Schreibe einen Kommentar