Schon in der Schule lernen die Kinder, dass man teilen soll – zum Beispiel Pausenbrote, Stifte oder Papier. Manchmal kommt es zum Streit, weil die Bereitschaft zum Teilen entweder gering ausgeprägt oder überstrapaziert ist: „Immer hast du deinen Block vergessen – nein!“ Die Großen haben mit dem Thema auch ihre Mühe. Viele Politiker sehen sich berufen, fleißig umzuverteilen. Das ist oft notwendig und sinnvoll, und dann kraft Gesetzes nicht freiwillig. Wer genau wieviel und für welchen Zweck abgeben muss, führt zu heftigen Diskussionen – was Demokratie lebendig hält. Ob am Ende die Dinge gerecht sind, erfordert ein gutes Urteilsvermögen, das nicht jedem geschenkt ist.
Der heilige Thomas von Aquin prägte den Begriff vom „bonum commune“ und meinte damit das gemeinsame Gut. Als ich in früheren Zeiten Pilgergruppen nach Rom begleitete, habe ich stets darauf hingewiesen, frei hängende Handtaschen zu vermeiden. Denn diese gelten in Rom bei vielen als „bonum commune“ – was dann ihr Verschwinden theologisch erklären könnte. Wie der gestohlene Rückspiegel am Reisebus ersetzt wurde, schreibe ich jetzt nicht.
Die Sache mit dem gemeinsamen Gut ist ernst: saubere Umwelt, funktionierende öffentliche Systeme, gute Gesundheitsversorgung oder ausreichende Renten mögen als Stichworte genügen.
Bei jungen Leuten geht es derzeit beim Blick auf unsere Sicherheit um die Wehrpflicht und den Kriegsdienst an Orten, die man nicht klar sagen kann oder will. Angst ist die Folge – auch über die berufliche und finanzielle Zukunft. 20% der Jungen überlegen auszuwandern! Wer muss welche Lasten und Risiken tragen?
Gerecht teilen ist eine anstrengende dauerhafte Aufgabe und eine hohe Kunst. Christen sollen ein Vorbild sein und die Ahnung einer gerechten Welt schon jetzt spürbar werden lassen. Manchmal muss man auch „Nein“ sagen. Und: Was habe ich der Welt gegeben, was genommen?
Von Herzen wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben ein schönes und geisterfülltes Pfingstfest!
Thomas Seibert


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