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Pfarreiengemeinschaft Göggingen-Inningen

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Aktuelle Seite: Startseite / Allgemein / Transformation – Grund zur Panik : Grund zur Hoffnung

Transformation – Grund zur Panik : Grund zur Hoffnung

20. März 2026

Es gibt Grund zur Hoffnung in einer Welt, die von schwerwiegenden Krisen und Ängsten geprägt ist! Die Ökumenische Fastenveranstaltung am 17. März 2026, getragen von der evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde, von den beiden katholischen Pfarreiengemeinschaften in Göggingen, Inningen und Bergheim und von der Neuapostolischen Kirche, hat es gezeigt.

Der engagierte ökumenische Arbeitskreis hat sich dieses wichtige Thema überlegt. Die Idee, den bekannten SZ-Autor und Verfasser mehrerer Spiegel-Bestseller Tobias Haberl einzuladen, hat sich als voller Erfolg erwiesen. Fast hundert Personen waren im Roncallihaus zu Gast. Zum guten Gelingen des Abends, der vom evangelischen Pfarrer Peter Gürth moderiert wurde, haben auch drei weitere Referierende beigetragen. Matthias Fink, CSU-Mitglied des Stadtrates und Vorsitzender des Ortsverbandes Göggingen, Sarah Kilian, Verantwortliche für die KI-Entwicklung bei einem großen international tätigen Medienkonzern, und Thomas Appel, Führungskraft bei einem weltbedeutenden Nutzfahrzeughersteller, haben das Thema Transformation aus ihren Blickwinkeln beleuchtet. Für einen reichhaltigen Büchertisch sorgte Elke Korinth von der Gögginger Buchhandlung Pfiffigunde.

Tobias Haberl konnte mit seiner sehr angenehmen und feinfühligen Art das Publikum gut mitnehmen. Es war ein ansprechender Wechsel von vorgetragenen Passagen seines Buches „Unter Heiden“ und Gespräch mit den Menschen. Sein Ausgangspunkt und der Grund seines Buches waren die außergewöhnlich vielen Reaktionen auf seinen Text „Unter Heiden“, der kurz vor Ostern 2023 im SZ-Magazin erschienen war. „Ein persönliches Essay darüber, dass ich mich als gläubiger Christ zunehmend unverstanden fühle, wie eine seltene Affenart, die man lieber von der anderen Seite eines Gitters aus bestaunt… Ich hatte ein modernes Glaubensbekenntnis veröffentlicht und anders als die meisten, die sich heute zum Thema Religion äußern, ihre strahlende Seite in den Mittelpunkt gestellt: Die Schönheit, den Trost, die Hoffnung.“ Der Aufsatz im Magazin und das Buch haben ihn verändert, transformiert – zum Guten, wie er betont. Das Bittere: Die Kirche ist eine sündige – ein Blick auf die weiter schwelende Missbrauchskrise zeigt die traurige Wirklichkeit. Darüber hinaus die grundsätzliche Forderung an die Kirche: Was kann sie lernen vom 21. Jahrhundert? Haberl dreht die Frage mutig um: „Was kann das 21. Jahrhundert trotzdem von der Kirche lernen?“ Denn: „Vieles, was zeitgemäß ist, ist nicht gut für uns. Vieles, was gut für uns ist, ist nicht zeitgemäß!“ Eine Welt ohne Gott ist nicht besser. Wenn Menschen ihr Glück an falschen Orten suchen, bleiben ihre tiefen Sehnsüchte unerfüllt. Sie müssen selbst auferlegten Zwängen zur Selbstoptimierung folgen, um immer wieder neu festzustellen, dass sie ihre Mitte verloren haben. Die hohen Quoten von Burn-out belegen es. – „Der Glaube kann helfen, das Leben so anzunehmen, wie es ist. Maßgebend für mein Leben ist das Evangelium, die Frohe Botschaft, verkündet von Jesus Christus. Der Glaube an ihn ist ein unverfügbares Geschenk, das befreit.“ – Kirche, so Haberl, wird oft als konservativ, also bewahrend, bezeichnet. Aber: „Es geht der Kirche um eine Botschaft, die Zukunftscharakter hat. Es geht um das Kommen des Reiches Gottes.“ Ein letzter und kostbarer Satz des Referenten: „Man wird von Gott geliebt, auch wenn man nichts Besonderes ist!“

In der anschließenden Runde sprach Matthias Fink von Transformation als einer Daueraufgabe für die Politik. Veränderung durch politisches Handeln werde heute ganz anders wahrgenommen als noch in den 60er und 70er Jahren. Sei es damals um ein „Mehr“ durch Politik („Mehr Demokratie wagen“, zusätzliche Gymnasien auch in mittleren Städten und Hochschulen im ganzen Land, deutliche Steigerung des Lebensniveaus) gegangen, so stünde die Politik heute vor der Aufgabe, das bestehende Niveau überhaupt zu erhalten bzw. in einigen Bereichen sogar zurückzubauen.

Durch Soziale Medien und Messenger-Dienste habe sich die Kommunikation mit den Bürgern stark verändert. Habe er am Beginn seines politischen Engagements noch Pressemitteilungen per Post zum festen Redaktionsschluss der Gögginger Zeitung verschickt, so schriebe er heute regelmäßig abends im Anschluss an eine Veranstaltung noch schnell einen Social Media-Beitrag, der unmittelbar nach dem Absenden erscheine. Auch Bürgeranfragen erreichten ihn praktisch 24/7. Kommunikation als zentrale Aufgabe eines Politikers habe sich so vollkommen verändert. Das biete den Bürgern viel unmittelbarere Möglichkeiten zum Kontakt mit ihren politischen Vertretern, es sei aber manchmal schwierig, hier den Überblick zu behalten und sich nicht vollkommen vereinnahmen zu lassen.

Das immer heterogenere Meinungsbild in der Bevölkerung und darauf aufbauend ein zunehmend zersplitterter Stadtrat stelle eine große Herausforderung für Kommunalpolitiker dar. Der Wunsch in der Bevölkerung nach Eindeutigkeit und deutlichen Ansagen stoße oft auf eine sehr komplizierte Gemengelage aus unterschiedlichen Interessen, rechtlichen Vorgaben und finanziellen Möglichkeiten der Stadt. Finks Fazit: Politiker und Bürger müssen lernen, mit dem „Sowohl – als auch“ zurechtzukommen.

Die Ingenieurin Sarah Kilian gab dem Publikum die Aufgabe, den Begriff Künstliche Intelligenz zu erklären. Eine markante Antwort: „Daten“. Um den Begriff KI gibt es inzwischen einen Hype. Alle reden davon, kaum jemand kann ihn genau definieren, was in der Tat schwierig ist.

Im Grunde geht es um künstliche und selbstlernende Systeme, die versuchen, menschliche Aufgaben wahrzunehmen. Damit verbunden sind die Angst, persönliche Daten preiszugeben, die missbraucht werden können, und die Angst durch KI die eigene Arbeit zu verlieren. Diese Ängste sind berechtigt. Aber: „Noch schlimmer als die durch KI unterstützte Transformation unserer Lebens- und Arbeitswelt wäre Stillstand!“ Als Grund der Hoffnung benannte Kilian vier Grundsätze: „Haben Sie keine Angst vor Problemen!“ – „Identifizieren Sie das genaue Problem!“ – „Definieren Sie Ziele, um Lösungen zu erreichen!“ – „Finden Sie Wege, das Problem zu lösen!“ Ihr tröstliches Schlusswort: „Veränderung erzeugt zunächst Unordnung, oft sogar Chaos. Doch am Ende dürfen wir – auch im Blick auf die Schöpfungsgeschichte – darauf vertrauen, dass Gott aus dem Chaos eine neue Ordnung macht.“

Der in der Fahrzeugindustrie arbeitende Thomas Appel erklärte, dass bisher gewohnte Geschäftsmodelle und bewährte Lieferketten nicht mehr funktionieren und umstrukturiert werden müssen. Die Marksituation hat sich durch die Globalisierung grundlegend geändert. Einstige Kunden bauen heute selbst Fahrzeuge, die sie noch vor Jahren in Deutschland gekauft haben. Arbeitsumfeld und Methoden unterliegen einem fundamentalen Wandel. Arbeit wird zunehmend standortunabhängig, was in der Zusammenarbeit weitere Kompetenzen erfordert, nicht zuletzt sprachliche. Spannend war Appels Vergleich von Industrie und Kirche: Veränderung erzeugt Angst. Aber stärker sind die Kraft der Hoffnung und der Mut zur Veränderung. „Wichtig ist, nicht an Dingen, die nicht mehr funktionieren festzuhalten, sondern Neues zu wagen und Zukunft zu gestalten.“

Thomas Seibert

Kategorie: Allgemein

Über Thomas Seibert

Diplomtheologe, Pastoralreferent der Pfarreiengemeinschaft Göggingen-Inningen, Tel. 0821/90 65 316, E-Mail: thomas.seibert@bistum-augsburg.de

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Helga Koeppe meint

    21. März 2026 um 14:26

    Vielen Dank für die ausführliche Zusammenfassung der ökumenischen Fastenveranstaltung. Es war ein eindrucksvoller Abend mit vielen interessanten Beiträgen, der mir sehr gut gefallen hat.
    Helga Koeppe

    Antworten
    • Thomas Seibert meint

      21. März 2026 um 16:42

      Liebe Frau Koeppe,
      herzlichen Dank für Ihre positive Rückmeldung, die uns sehr freut.
      Viele Grüße
      Thomas Seibert

      Antworten
  2. Christine Kneidl meint

    20. März 2026 um 12:23

    …perfekt zusammengefasst für alle, die diese Veranstaltung nicht besuchen konnten.

    Antworten
    • Thomas Seibert meint

      21. März 2026 um 07:43

      Liebe Christine,
      herzlichen Dank für Deine freundliche Rückmeldung.
      Liebe Grüße
      Thomas

      Antworten

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