Eine zunehmende Zahl von Menschen fühlt sich erschöpft und ausgelaugt, betonte bei einer Veranstaltung der Katholischen Erwachsenbildung der Stadt Augsburg e.V. der Facharzt für Psychiatrie und Psychosomatik, Michael Beckenbauer, aus München. Beachtenswert ist, dass inzwischen jede fünfte Person unserer Gesellschaft an einer diagnostizierten Depression leidet. Damit einher gehen chronische Stressfolgeerkrankungen, wie Schlafstörungen, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Magen-Darm-Probleme und andere. Leider erhalten nur 10% der betroffenen Menschen eine angemessene medizinische Behandlung. Im Durchschnitt sind Frauen davon doppelt so oft betroffen. Das kann damit zu haben, dass Männer Krankheiten eher verschweigen oder weil Symptome nicht erkannt werden. Interessant ist auch, dass sich eine Depression bei Männern nicht selten in Aggression äußert oder Alkoholabhängigkeit.
Die Hauptmerkmale einer chronischen Depression sind eine länger als zwei Wochen andauernde Gefühllosigkeit, Interessensverlust, Erschöpfung, Unsicherheit, ständiges Grübeln, Hoffnungslosigkeit und Schlaflosigkeit. Zu unterscheiden sind die unipolare (einpolige) Depression, gekennzeichnet ausschließlich durch Phasen tiefer Traurigkeit und Antriebslosigkeit, und die bipolare (zweipolige) Depression, bei der sich Stimmungstiefs mit Stimmungshochs abwechseln – sie kann übergehen in eine schwere Form der sogenannten manischen Depression.
Es gibt einen Zusammenhang von Depression und Diabetes Mellitus. Beide Erkrankungen können sich wechselseitig befördern. Bedeutsam sind auch die sogenannten maskierten Depressionen, die sich nach außen in körperlichen Beschwerden zeigen. In der neueren Forschung gilt die Einteilung in endogene, also von innen verursachten Depressionen, neurotische, d.h. nervlich bedingte, und reaktive als überholt.
Ein besonders schwieriges Thema in diesem Bereich sind Suizide. Mehr als 10.000 Menschen im Jahr nehmen sich in Deutschland selbst das Leben; 75% davon sind Männer, ältere Menschen eher als jüngere – viele schon ab 14 Lebensjahren! Seit drei Jahren ist die Zahl der Suizide angestiegen, was mit der Zunahme des assistierten Suizids zu tun hat. Oftmals senden gefährdete Menschen mehr oder minder deutliche Signale, sie äußern, nicht mehr leben zu wollen oder sammeln bestimmte Medikamente. Dann ist es sehr wichtig, solche Suizidanzeichen ernst zu nehmen und offen anzusprechen: „Hast du Gedanken, dein Leben aufzugeben.“ Oder: „Sind Sie noch handlungsfähig?“ Es gibt fachliche Beratungen und die Hausärzte. Zügiges Handeln ist geboten!
Die Ursachen für Depressionen sind vielfältig und uneinheitlich. Was den einen Menschen über die Belastungsgrenze treibt, kann ein anderer gut verarbeiten. Generell befindet sich unsere Gesellschaft auf einem erhöhten Stress-Level. Daueranspannung gehört oft zum Alltag. Belastend kann auch mangelnde Anerkennung am Arbeitsplatz sein. Stress führt zu einem erhöhten Wert von Kortisol, das im Blut nachweisbar ist. Übrigens stammt das Wort Stress aus der Physik, die damit die Anspannung und Belastbarkeit von Metall bezeichnete – und der Begriff der Resilienz benennt die Fähigkeit eines Materials, sich wieder zurück zu formen.
Was können belastete Menschen tun?
Pflegen Sie eine gute Lebenskunst! Dazu gehört, mich mit meinen Voraussetzungen und Begrenzungen anzufreunden. Es geht um mehr, als sich nur mit etwas abzufinden. Ein stabiles und gesundes Selbstbild ist hilfreich für ein zufriedeneres Leben. Schädlich ist, sich selbst regelmäßig zu überfordern oder zu unterfordern. Beides erzeugt Stress. Liebevolle Achtsamkeit ist ebenso wichtig wie eine aktive Lebensgestaltung und Bewegung im Freien!
Vom Heiligen Benedikt stammt die wertvolle Erkenntnis, das richtige Maß zu finden. Wer ständig zu viel will, läuft Gefahr, krank zu werden. Ebenso schädlich ist krampfhaftes Festhalten, sich zu vergraben und zu verbittern. Die Chance: Das Gehirn lernt ein Leben lang!
Also: Laufen – Lernen – Lachen!
Thomas Seibert, Diplomtheologe
Bild: Pixabay


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